Porsche Cayenne S 2018 Fahrbericht & Review

Wenn Porsche ein bestehendes Modell erneuert, dann wird es gut. So gut nämlich, dass es den eigenen Ansprüchen genügt. Hört sich banal an, ist aber das Geheimnis der Evolution, nach deren Prinzip die Zuffenhausener jedes Modell behutsam überarbeiten. Ohne übereiltes Handeln oder radikale Umbrüche wird modernisiert, um der eigenen DNA treu zu bleiben.

Motor & Sound

Bis 2014 wurde der Cayenne S noch von einem 4.8l V8 Saugmotor angetrieben, nach dem Facelift folgte ein V6 Biturbo mit 3.6l. Im 2018er Porsche Cayenne S werkelt nun der neue 2.9l Biturbo V6, der in Leistung und Drehmoment weiter zugelegt hat, während der Verbrauch gesenkt wurde.

Wer noch den V8 gefahren ist, wird am Sound etwas vermissen. Das kann man nicht anders sagen, hört man doch definitiv die fehlenden Zylinder und die dämpfende Wirkung der Turbolader.
Verglichen mit dem Vorgänger wird man allerdings nicht enttäuscht. Der Klang ist da, nicht zu laut oder mit unangenehmen Frequenzen. Eher dezent und etwas verhalten, aber doch kraftvoll.

Begeistern tut der Motor auch gerade durch seine Mühelosigkeit, mit der er den großen SUV nach vorne schiebt. Bei 440Ps und 550 Nm Drehmoment erwartet man aber auch nichts anderes – wenn man sich jetzt überlegt, dass der S „nur“ im Mittelfeld liegt und ein GTS und Turbo/S nochmal einen (im Turbo gewaltigen) Leistungssprung machen, dann wird einem fast schwindelig.
Das Ansprechverhalten ist gut, die Verzögerung zum Aufbau des vollen Ladedrucks fällt nicht störend auf, es ist auch bei geringen Drehzahlen genügend Leistung vorhanden.

Getriebe

Anders als im Macan und Panamera arbeitet im Porsche Cayenne eine 8-Gang Wandlerautomatik. Man kann über Schaltwippen am Lenkrad oder den Schalthebel jederzeit ins Geschehen eingreifen oder auf komplett manuellen Betrieb schalten. Das Getriebe wechselt schnell und fast unmerklich zwischen den Gängen. Vorteil einer Wandlerautomatik im Gegensatz zu einem Doppelkupplungsgetriebe (DKG) liegt in der höheren Belastbarkeit bei z.B. ziehen eines Anhängers. Wo die Kupplungen eines DKGs schleifen müssten, um mit großer Last anzufahren oder eine Steigung hochzukommen, da läuft eine Wandlerautomatik quasi Verschleißfrei und ohne höhere Belastung als im Normalbetrieb. So lassen sich mit dem Getriebe sowohl eine sehr gute Geländetauglichkeit, als auch eine max. Anhängelast von 3,5t realisieren. Deutlich mehr, als mit einem vergleichbaren DKG möglich ist.

Fahrverhalten/Lenkung & Fahrwerk

“Der Sportwagen unter den SUVs” trifft es beim Porsche Cayenne ziemlich gut: mehr Sportwagen in dieser Fahrzeugklasse geht nicht. Angefangen beim porschetypischen Lenkgefühl, das selbst im großen SUV ein zackiges Einlenken und sportliche Kontrolle vermittelt, bis hin zur perfekt abgestimmten Luftfederung, bleiben fahrerisch keine Wünsche offen.

Die enorme Spreizung des Fahrwerks zeigt sich beim Wechsel von „Normal“ auf „Sport“, was mit einer gleichzeitigen Absenkung der Fahrzeughöhe einhergeht.
Aus dem butterweichen Langstrecken-Cruiser mit herausragendem Komfort wird ein straffer, agiler Sportler. Keine Frage, der Cayenne ist und bleibt ein SUV, aber die Spreizung des Fahrwerks ist eine der beeindruckendsten Eigenschaften des neuen Cayennes, verfeinert über viele Jahre und mittlerweile schon vier Generationen. Selbstredend bügelt die Luftfederung auch große Unebenheiten oder Schlaglöcher heraus und wird selbst mit Dämpfern auf Sport nicht unangenehm hart, sondern bleibt ausgewogen.

In Verbindung mit dem massigen Drehmoment des Motors lässt es sich auch beherzt durch Kurven jagen, wobei ein Wanken quasi nicht vorhanden ist. Zu jeder Zeit verhält sich der Porsche gutmütig und kontrolliert.

Exterieur

Neue, klare Linien und gerade Kanten kennzeichnen das Design des neuen Porsche Cayenne. Die grundlegendsten Veränderungen sind am Heck des Fahrzeugs zu finden: Auf den ersten Blick fällt die neue Rückleuchtenoptik mit durchgezogenem Leuchtenband auf, was wir schon aus anderen (Porsche-)modellen kennen. Mehr Konturen verleihen dem Heck eine sportlichere Optik. Eine Abrisskante hinten in der Verlängerung des Dachs ist wieder vorhanden und lässt die Heckscheibe flacher wirken. Um das ganze abzurunden sind die Kühleröffnungen an der Front größer und deutlich präsenter geworden.

Interieur & Infotainment (Porsche Communication Management = PCM)

Verglichen mit dem Vorgänger wirkt das neue Interieur moderner und aufgeräumter. Im Armaturenbrett finden wir zentral den 12,3 Zoll großen Full-HD-Touchscreen des neuen PCMs, der einen dominanten Platz zwischen Fahrer und Beifahrer einnimmt. Die beim letzten Modell herausstehenden Lüftungsdüsen sind nun aufgrund der Größe des Bildschirms nach unten gewandert. So werden die geraden Linien des Armaturenbretts nicht unterbrochen und laufen gleichmäßig durch. Von den fünf Rundinstrumenten ist lediglich der Zentrale Drehzahlmesser analog geblieben, der Rest wird auf Displays angezeigt und lässt sich individuell auf den Fahrer einstellen. Von verschiedenen Informationen und Anzeigen, über eine hochauflösende Karte des Navigationssystems, kann sich der Fahrer alles nach Belieben zusammenstellen.

Die Mittelkonsole, bisher dominiert von vielen Knöpfen, zeigt sich jetzt einheitlich schwarz. Knöpfe sucht man bis auf wenige Ausnahmen vergeblich.
Navigation, Mediennutzung und Handhabung sind absolut auf der Höhe der Zeit, man könnte einen eigenen Bericht schreiben nur über die vielfältigen Funktionen und Möglichkeiten des PCMs.

Bei einer Sache scheiden sich jedoch etwas die Geister:
Wer sich an die Knöpfe der vorherigen PCM-Generation gewöhnt hat, wird es möglicherweise etwas unübersichtlich finden, manche Funktionen zu erreichen. Zwar sind die wichtigsten Dinge bequem im zentralen Touchpad in der Mittelkonsole zu finden (mit haptischem Force-Feedback), doch manche Informationen sind nur über verschiedene Untermenüs zu bekommen. Das ist während der Fahrt – für den Fahrer – so gut wie nicht möglich. Hilfreich ist allerdings die Sprachsteuerung, die mittlerweile sehr gut funktioniert.

Alles in Allem ist das neue PCM ein großer Fortschritt, an dessen Bedienung man sich auch gewöhnen wird. Je mehr Funktionen es gibt, desto komplexer wird das gesamte System, bietet dem Fahrer aber gleichzeitig immer vielfältigere Möglichkeiten.

Fazit

Wieder einmal hat Porsche ein bestehendes Modell besser gemacht. Unserer Meinung nach setzt der neue Porsche Cayenne die Messlatte für die Konkurrenz wieder ein Stückchen höher und überzeugt auf gesamter Linie. Besonders beeindruckend ist die Spreizung des Fahrwerkes (Luftfederung), das von sportlich straff bis komfortabel entspannt alles perfekt beherrscht. Verarbeitung ist wie gewohnt auf Porsche-Niveau – einziger Wermutstropfen: viele optische Akzente muss man auch mit Preisen auf Porsche-Niveau bezahlen.
Kurzum: In allen Bereichen ein echter Porsche eben ;-)!

Unseren ausführlichen Videobericht findet Ihr unter: https://youtu.be/BU5ZN2YhWRE

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