DS7 Crossback BlueHDi 180 Review und Fahrbericht

DS AUTOMOBILES – Spirit of Avant-Garde. So präsentiert sich die junge Premiummarke des französischen PSA-Konzerns.

Mit DS hat der Konzern die Grundlage für eine neue Fahrzeuggeneration geschaffen, die in Konnektivität und vernetzten Diensten Vorreiter ist. Gepaart mit französisch-avantgardistischem Design, hochwertigen Materialien und einer guten Verarbeitung ergibt sich ein interessantes Paket für den mit ähnlicher (sehr umfangreicher) Ausstattung und Leistung ab ca. 50.000 Euro erhältlichen DS7 Crossback.

Von vorne und hinten ein echter Hingucker

Motor & Antrieb

Unser Testwagen wird angetrieben von einem Vierzylinder-Diesel mit 2l Hubraum und 177ps. Beide Dieselmotorisierungen (BlueHDi 130 bzw. BlueHDi 180) erfüllen schon seit ihrer Markteinführung in Deutschland im März diesen Jahres die aktuelle Euro 6d-Temp Norm. Neben den Dieselmotoren sind sowohl ein 225ps starker Benziner, als auch ein Hybrid mit 300ps Systemleistung (ab 2019) erhältlich. Die Kraft wird bei allen Verbrennern über die Vorderachse auf die Straße übertragen. Allrad ist auch optional nicht erhältlich, lediglich im Topmodell mit Hybridantrieb erfolgt die Kraftübertragung der elektrischen Leistung über die Hinterachse.

Der 177ps-Diesel unseres Testwagens glänzt nicht mit besonders geräuscharmem Motorlauf, vor allem von außerhalb hört man ihn recht laut „dieseln“. Dies beschränkt sich jedoch auf die Geräuschkulisse, Vibrationen spürt man im Fahrzeuginnenraum so gut wie gar nicht. Ansonsten verhält sich das Aggregat unauffällig und stellt auch auf der Autobahn seine 400Nm Drehmoment (die schon bei 2000upm anliegen) bereitwillig zur Verfügung. Auf Wunsch kann man zwischen „Drive Modes“ wechseln und so Einfluss auf Motor-, Lenkungs- und Getriebecharakteristiken nehmen. Größten Einfluss auf den Motor hat die „Sport“-Einstellung, die das Ansprechverhalten verbessert und gleichzeitig die Geräuschkulisse des Aggregats im Innenraum verstärkt. Der Verbrauch lag im Schnitt über unsere Fahrten (mit viel Langstrecke) bei etwas über 7l.

Sehr angenehmes Raumgefühl auf den vorderen und hinteren Plätzen

Getriebe

Während für den 130ps Diesel ein manuelles 6-Gang Getriebe vorgesehen ist, findet die Kraftübertragung in den stärkeren Motoren über eine 8-Gang Automatik statt. Das Doppelkupplungsgetriebe (DKG) schaltet schnell und unauffällig. Über zwei gut erreichbare Schaltpaddles hinter dem Lenkrad kann man jederzeit selbst schalten oder alternativ – sollte einem die Schaltcharakteristik insgesamt nicht gefallen – über den Drive Mode-Schalter in einen anderen Modus wechseln. In „Eco“ schaltet das Getriebe früh hoch und nutzt die „Segel“-Funktion: Es kuppelt aus und lässt den Wagen im Leerlauf rollen, sobald der Fahrer vom Gas geht. Eingekuppelt wird erst wieder, wenn der Fahrer Gas oder Bremse berührt. Vom Einkuppelvorgang selbst spürt man als Fahrer nichts.

Genau gegenteilig verhält es sich im „Sport“-Modus: Die Gänge werden lange gehalten, erst bei höheren Drehzahlen wird in den nächsthöheren Gang gewechselt. Gleichzeitig wird in Kurven nicht hochgeschalten und beim Anbremsen an eine Kurve schaltet das Getriebe schnell (und mit Zwischengas) runter, um die Drehzahl hoch zu halten. Weitere Modi wie „Sand“ o.ä. sind wohl im Alltag eher nicht zu gebrauchen, da hören sich „Normal“ oder „Komfort“ schon deutlich passender an.

Einer der klassischen Kritikpunkte eines DKGs ist (allerdings in erfreulich geringem Ausmaß) auch hier zu finden. Beim Einparken bzw. beim langsamen Vorwärtsfahren bringt das Einkuppeln immer wieder etwas Unruhe, da die Kupplung komplett einrücken will. Sehr angenehm ist, dass man kein Gas geben muss zum Anfahren. Kaum geht man von der Bremse, fährt das Auto los; so umgeht man ein ansonsten teilweise auftretendes Ruckeln unter Last. Beim Rückwärtsfahren lässt sich die Geschwindigkeit gut dosieren, auch Einparken funktioniert so sehr gut – und das ist bei einigen Mittbewerbern ein größeres Problem.

 Fahrverhalten, Lenkung, Fahrwerk

Um dem Premium-Anspruch gerecht zu werden, haben die französischen Ingenieure unter anderem das „DS Active Scan Suspension“-Fahrwerk entwickelt. Dieses (optionale) Fahrwerk nimmt die Fahrbahnoberfläche über eine Frontkamera wahr und verarbeitet die Daten ich Echtzeit, um eine individuelle Ansteuerung der aktiven Dämpfer zu gewährleisten. Somit kann je nach Fahrmodus eine besonders komfortable oder straffe Fahrwerkseinstellung realisiert werden. Bekannt ist ein System in ähnlicher Art schon von Mercedes-Benz (dort allerdings in Verbindung mit einer Luftfederung).

Sowohl auf der Autobahn, als auch auf der Landstraße oder in „Schlaglochwüsten“ federt der DS7 Crossback komfortabel. Trotz des sehr guten Komforts verhält sich der SUV aber auch in Kurven nicht unsicher. Die Seitenneigung ist gering, ein Aufschwimmen bei höheren Geschwindigkeiten gibt es nicht. Aufgrund der geschwindigkeitsabhängig deutlich schwerer gewichteten Lenkung lässt sich der DS stets sicher platzieren.
Erfreulicherweise sind Wind- und Fahrbahngeräusche sehr gering ausgeprägt, da kann man sich ganz entspannt zurücklehnen und die Musik aufdrehen – ohne störendes Rauschen im Hintergrund.

Assistenzsysteme

Passend zu einem vernetzten Fahrzeug sind im DS7 alle verfügbaren Assistenzsysteme mit an Bord. Abstandsregeltempomat, Spurhalteassistent, Totwinkelwarner, 360 Grad-Kamera, Notrufbutton (Pflicht seit 2018) und Notbremsassistent – alles ist da. Anders als viele vergleichbare Hersteller bietet DS jedoch auch die Möglichkeit des teilautonomen Fahrens. Der Autopilot funktioniert gut und flüssig, nur bei knapp vor einem rausfahrenden Autos bremst er teils kräftig und unvermittelt ab, um den eingestellten Abstand einzuhalten. In Baustellen ohne zusammenhängende Fahrbahnmarkierungen sollte man das System vorsorglich deaktivieren (es reicht die Bremse kurz anzutippen), da es die Fahrbahnmarkierungen sonst unter Umständen nicht mehr findet. Dies ist allerding kein DS-spezifisches Problem und zieht sich durch die Systeme aller Hersteller.

Exterieur & Licht

Beim Design wagt sich DS wieder an klassisch französisch-avantgardistische Elemente heran. Waren die Franzosen früher für ihr Design bekannt, ist das Thema in den letzten Fahren immer mehr in den Hintergrund geraten. Jetzt tut es gut wieder etwas Gewagtes zu sehen. Zusammenfassend fällt uns für den DS7 erstmal nur eines ein: Er wird gesehen. Überall drehen sich Leute um oder schauen dem Auto fragen hinterher. Dazu trägt bestimmt die Farbe ihren Teil bei – ganz unauffällig ist sie zugegebenermaßen nicht – doch auch der Exotenfaktor ist nicht zu leugnen.

Die grundsätzliche Linienführung ist rundlich, ein Crossback-Heck mit abfallender Dachlinie und die grob rundliche Front bestimmen die Hauptlinien.
Alle anderen Linien sind kantig, prägnant. Größere Freiflächen und ein im und am gesamten Fahrzeug als Kontrast immer wieder aufgegriffenes Diamant-Design komplettieren den „Spirit of Avantgarde“, wie es DS selbst formuliert. Der Kühlergrill mit Diamantgitter, sowie die Klarglas-Heckleuchten mit in Diamantprägung gehaltenem Reflektor setzen Akzente.

Als ebenso kunstvoll wie nützlich erweisen sich die 3 beweglichen LED-Einheiten je Frontscheinwerfer, die nicht nur ein hervorragendes Licht erzeugen, sondern auch den Lenkbewegungen des Fahrers mit dem Lichtkegel folgen. Solche Kleinigkeiten haben schon früher die klassischen DS-Modelle ausgemacht (Citroën DS – Oldtimer). Nachts ziehen selbst die Rückleuchten Blicke auf sich, da sich das rote Licht auf der silbernen Diamantflächen bricht und so eine schöne Reflexion erzeugt.
Selbstredend besitzt der DS7 zwei grob halbkreisförmige LED-Tagfahrlichter, die die Front breiter und flacher wirken lassen.

Interieur, Audio, Navigation & Komfort

Angenehm in der Hand liegendes Lenkrad mit abgeflachter Unterseite

Das Interieur unseres sehr umfangreich ausgestatteten Pressefahrzeugs besticht durch gute Verarbeitung und hochwertige Materialien. Wie schon außen setzen sich im Innenraum die Akzente in Diamant-Form fort. Armaturenbrett, Lenkrad, Sitze und selbst die Knöpfe passen sich der Designlinie an.
Das unten abgeflachte Leder-Multifunktionslenkrad gefällt uns: es wirkt hochwertig und liegt gut in der Hand, während man über die Tasten viele wichtige Funktionen direkt erreichen kann. Armaturenbrett und Sitze sind mit Leder bezogen, letztere beeindrucken mit fast kunstvoll abgenähtem, dickem Nappaleder. Schönes Feature ist die Sitzmassage, bei der man zwischen mehreren Stufen und Programmen wählen kann. Man muss zusätzlich erwähnen, dass die Sitze zertifiziert orthopädisch und rückenschonend sind – das merkt man auch auf längeren Strecken.

Das Audiosystem vom französischen Marktführer “Focal” überzeugt mit klaren Höhen und Tiefen sowie einem kräftigen Volumen. Interessant auch hier, dass die Lautsprecherabdeckungen wieder das Diamant-Design des Innenraumes aufnehmen.
Alle Knöpfe sind an der Kontaktfläche aus Metall gefertigt, was dem Interieur gleich eine andere Haptik gibt.

Die Navigation über den großen zentralen Touchscreen funktioniert flüssig und zuverlässig und lässt sich zusätzlich nach Belieben in der digitalen Instrumenteneinheit anzeigen. Das Navi kann sogar live-Preise sowie freie Plätze für Tankstellen bzw. Parkhäuser anzeigen.

Platz gibt es auch auf den hinteren Plätzen zu Genüge. Der einzige Nachteil des abfallenden Crossback-Hecks wird im Kofferraum sichtbar. Dieser ist für die Fahrzeuggröße recht klein, bietet unter dem Kofferraumboden allerdings ein vollwertiges Ersatzrad – was auch seine Vorteile hat.

Fazit DS7 Crossback

Der DS7 Crossback wird seinem eigenen Anspruch als Premium-Fahrzeug gerecht.
Wir waren positiv von Verarbeitung und Materialanmutung überrascht, in Verbindung mit dem innovativen Design ergibt sich eine attraktive Kombination der verschiedenen Aspekte. Besonderes Augenmerk wurde bei der Präsentation auf das in Kooperation mit Huawei entwickelte Multimediasystem gelegt, welches durch seine vielen Möglichkeiten das „vernetzte Fahrzeug“ einen Schritt näher bringt. Fahrwerk, Licht und Komfortfunktionen sind ebenfalls auf Augenhöhe mit der Konkurrenz – nur der etwas laut laufende Dieselmotor scheint nicht zu 100% zum ansonsten futuristischen Auftreten des Franzosen zu passen.
Wir sind gespannt, was wir zukünftig von der jungen Marke erwarten dürfen und freuen uns auf den frischen Wind in dieser ansonsten recht biederen Fahrzeugklasse!

Unseren Videobericht inklusive Fahr- und Außenaufnahmen findet ihr unter: https://youtu.be/GmI5sQLXc4A

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