Porsche Boxster 986 Review, Kaufberatung und Fahrbericht

Porsche Boxster 986

Ende der 90er befand sich Porsche in einer finanziellen Notlage. Die Produktion war zu teuer und es wurden zu wenige Fahrzeuge verkauft.

Um sich aus dieser Lage zu befreien, folgte eine Umstrukturierung des Unternehmens – in diesem Zuge wurde auch der Wechsel von Luft- zu Wasserkühlung bei den 6-Zylinder Boxermotoren vollzogen.

Der erste wassergekühlte Motor der neuen M96 Motorengeneration  wurde 1996 im ebenfalls neu konstruierten Porsche Boxster 986 präsentiert.

In Zuffenhausen wurde viel vom neuen Einstiegsporsche erwartet, der gleichzeitig eine lange Tradition wiederbelebte, mit der sich Porsche in der frühen Anfangszeit einen Namen gemacht hatte: dem Mittelmotor.

Mittlerweile wissen wir, dass der Porsche Boxster 986 maßgeblich an der Rettung von Porsche beteiligt war und die Mittelmotormodelle heute mit dem 911 den sportlichen Markenkern repräsentieren

 

Motor

Der kleine 2,4l 6-Zylinder Boxermotor leistet 204 ps und erwacht mit einem klassischen, heiseren Klang zum Leben. Im Vergleich zu den luftgekühlten Vorgängern geht er aber deutlich kultivierter zur Sache. Schon der ruhige, ausgeglichene Leerlauf und die extreme Drehfreude lassen sofort erkennen, dass es sich um einen sportlichen (Boxer-)Motor handelt. Im unteren Drehzahlbereich passiert leistungsmäßig nicht viel – bis man den Bereich von 3500 bis 4000 upm erreicht. Dann lebt der Boxermotor auf und man bekommt die Sportlichkeit und Rückmeldung, die man von einem Porsche erwartet!

Dank des im Vergleich geringen Gewichts (ab ca. 1200kg), machen die 204 Ps ordentlich Spaß – natürlich vorausgesetzt man nutzt den Drehzahlbereich, in dem der Boxer zeigen darf, was in ihm steckt!

Grundsätzlich fällt beim Porsche Boxster 986 auf, dass die Ansauggeräusche des Motors (der direkt hinter dem Fahrersitz seinen Dienst verrichtet) deutlich lauter und feiner zu hören sind, als z.B. im 911.  So hört man nicht nur den Auspuffsound, sondern bekommt auch kleine Veränderungen des Gaspedals in den Innenraum übertragen, was definitiv zum Fahrspaß beiträgt!

 

Getriebe

Bei den frühen Porsche Boxster 986ern mit 2.4l Hubraum ist der Motor an ein 5-Gang Getriebe gekoppelt, das sich gut schalten lässt. Einzig ein 6. Gang würde sich zusätzlich gut machen, damit man den Motor mit enger gestaffelten Gängen noch besser bei Laune halten könnte. Abgesehen davon läuft alles problemlos und angenehm.

Nur mit der (bei Porsche typischerweise relativ schwergängigen Kupplung) muss man gefühlvoll arbeiten, da sich das Anfahren ansonsten etwas schwierig gestalten kann.

 

Fahrverhalten/Lenkung & Fahrwerk

Gokart-Feeling vermittelt der Boxster schon auf den ersten Metern. Wo die Nachfolger „erwachsener“ wirken, vermittelt der 986 noch ein analogeres Gefühl.

Wenn man so will, kann man das Fahrverhalten mit dem puren Feeling der älteren Porschemodelle vergleichen. Gleichzeitig ist das Fahrwerk jedoch Entwicklungstechnisch moderner, was man vor allem bei schnelleren Kurven und Lastwechseln spürt. Dazu kommt das (bis kurz vor den Grenzbereich) sehr berechenbare und präzise Verhalten, welches in Verbindung mit der extrem direkten Lenkung sehr viel Spaß macht!

Einlenken und Kurvenräubern ist genau das, wofür der Mittelmotorsportler gebaut wurde.

 

Exterieur

Das neue Design mit fließenden, weichen Flächen & Linien und wenigen Kanten, läutete auch auf diesem Gebiet eine neue Zeit ein.

Besonders die in 911 und Boxster identischen Frontscheinwerfer, die sich nun fließend in die Kotflügel und Haube einpassen, haben damals Kritik abbekommen („Spiegeleier“).

Grund dafür war wohl vor allem, dass viele die Front des Boxsters nicht von seinem großen (und teureren) Bruder, dem 911, unterscheiden konnten.

Mittlerweile sind gerade die „Spiegeleier“ wieder beliebt und uns persönlich gefallen die Scheinwerfer schon immer, da sie sich perfekt in die Designsprache des Fahrzeugs einfügen.

Anders als beim normalen Carrera, besitzt der Boxster zusätzlich zwei Lüftungsöffnungen links und rechts auf Motorhöhe, um den Mittelmotor entsprechend mit Frischluft zu versorgen.

Weiteres Designmerkmal, welches sich bis heute bei den Mittelmotormodellen aus Zuffenhausen gehalten hat, ist der mittig platzierte Auspuff.

 

Interieur

Im Innenraum setzen sich die fließenden, organischen Formen und Linien fort. Man könnte fast sagen, dass der Innenraum des Porsche 986 & 996 das bisher innovativste war, was man einem neuen Porschemodell zugetraut hatte.

Schon mit dem 987 bzw. 997 hielt wieder schlichte, sportliche Einfachheit mit geraden, klaren Linien Einzug.

Bei den frühen Porsche Boxstern kann sich an manchen Knöpfen der Softlack lösen und einige Plastikteile sind nach heutigem Maßstab qualitativ vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß. Grundsätzlich sind aber auch die Innenräume sehr haltbar und sowohl an Armaturen(-Brett), als auch Türverkleidungen sieht man bei guter Pflege so gut wie keine Altersschwäche.

Das schon aus dem 993 bekannte 4-Speichen Lenkrad liegt gut in der Hand und ist in unserem Fall auch nach 20 Jahren noch sehr gutem Zustand.

 

Verdeck

Ich denke hier lohnt es sich, noch einmal speziell drauf einzugehen:

Das vollelektrische Verdeck schließt bzw. öffnet im Stand, bei angezogener Handbremse, innerhalb von nur 12 Sekunden und war damit das am schnellsten arbeitende Verdeck seiner Zeit.

Aus unserer Sicht wichtig ist der „Handkantenschlag“ bei der faltbaren Heckscheibe aus Plastik, um ungesunde Knicke beim Öffnen und Zusammenfalten des Verdecks zu vermeiden. So schützt man sich wirksam gegen spätere Risse bzw. Brüche an den Knickstellen.

Ansonsten ist das in Z-Form zusammenfaltende Verdeck problemlos, bis auf leichte Scheuerstellen im Stoff.

Lediglich an der Verbindung von Motoren zu Verdeckgestänge, kommt es teilweise (selten) vor, dass einer der beiden Kugelköpfe abbricht. Die Stelle ist als Sollbruchstelle konstruiert, um bei ungleichem Öffnen weitere Schäden zu vermeiden – das Ersetzen der Kugelköpfe ist allerdings keine große Sache.

 

Wichtig Tipps beim Kauf eines Porsche 986

Gerade bei billigen Fahrzeugen ist darauf zu achten, dass die Wartungen durchgängig gemacht wurden und alles anhand von Dokumenten/Rechnungen belegbar ist. Gleiches gilt für die Laufleistung, da gerade ältere Porsche gerne und häufig manipuliert werden. Grundsätzlich sind Wartungsarbeiten, vorausgesetzt man kann ein paar Sachen selbst machen oder hat eine kompetente(!) Werkstatt an der Hand, nicht übermäßig teuer.

Das gilt, solange nichts größeres kaputt geht, denn dann wird es naturgemäß teuer, hier merkt man, dass man einen Porsche vor sich hat.

 

Am wichtigsten für lange Freude sind wie immer sorgfältiges Warmfahren und regelmäßige Ölwechsel bzw. Wartungen!

 

Fazit

Der Porsche Boxster 986 der ersten Generation ist ein toller, handlicher Sportwagen für die schönen Tage im Jahr.

Neben seinen unbestrittenen sportlichen Genen und einem genialen, ausgewogenen Fahrverhalten, bietet der Roadster ein Design, das auch heute noch frisch wirkt und Sportwagenfans begeistert.

Gut gepflegten Exemplaren sieht man ihr Alter fast nicht an und solche Fahrzeuge werden lange Freude bereiten – gerade jetzt, wo sich die Preise für den Porsche Boxster 986 stabilisiert haben und vielleicht bald weiter steigen.

Ein ausführliches Video über den Boxster findet ihr auf unserem Youtube Channel: Zum Video

 

Kommentar hinterlassen zu "Porsche Boxster 986 Review, Kaufberatung und Fahrbericht"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*