Porsche 928 GTS Fahrbericht

Der 928 GTS ist die von 1992 bis 1995 gebaute letzte Evolutionsstufe des 1977 vorgestellten Porsche 928. Damals hatte man den 928 als Nachfolger für den seit Jahren gebauten Porsche 911 entwickelt. Dem luftgekühlten Motor im Heck räumte man keine langen Überlebenschancen mehr ein, gerade im Hinblick auf die immer schärferen Abgasvorschriften (vor allem in den USA).

So wurde das Projekt 928 ins Leben gerufen – das bisher erste und einzige Projekt, bei dem man in Weissach von einem komplett weißen Blatt Papier aus anfing . Im Lastenheft standen: Coupé-Form, als Porsche erkennbare Linienführung, zeitloses Design und nicht zuletzt (wie im 911) 2+2 Sitze, diesmal mit etwas mehr Platz im Fond.

Um ein ausgewogenes Fahrverhalten zu gewährleisten entschied man sich für das Transaxle-Prinzip mit einem wassergekühlten V8-Frontmotor und einem auf der Hinterachse liegenden Getriebe, was zu einer ausgeglichenen Gewichtsverteilung sorgt.

Um das gesamte Fahrzeuggewicht niedrig zu halten, fertigte man die vorderen Kotflügel, Motorhaube und beide Türen komplett aus Aluminium.

 

1978 wurde dem 928, als einzigem Sportwagen bis heute, der Titel „Car of the year“ verliehen.

Wie wir heute wissen, konnte der Porsche 928 trotz all seiner Qualitäten den 11er nie beerben. So kommt es, dass der 911er auch heute ungebrochen beliebt ist – sogar beliebter, als je zuvor…..

Und der 928 1995 im Zuge der Umstrukturierung (und Kostenkürzung) bei Porsche zur Rettung des Unternehmens begraben wurde – nach 18 Jahren und ca. 61.000 Exemplaren.

Dennoch ist das einstige Topmodell aus Zuffenhausen in den letzten Jahren immer weiter in den Fokus vieler Porschefans gerückt. So ist der 928 bis zu diesem Jahr, seinem 40-jährigen Jubiläum, ein fester Bestandteil der Geschichte der zuffenhausener Sportwagenschmiede geworden mit einer stetig wachsenden Fangemeinde.

 

Motor

Bei unserem heutigen 928 GTS handelt es sich um eines der letzten Exemplare aus 1995. Das Herzstück bildet der von 5.0l in S4 und GT auf nun 5.4l angewachsene Leichtmetall V8 mit 4 Ventilen pro Zylinder. Neben Hubraum stiegen sowohl Drehmoment, als auch Leistung auf 500Nm und 350Ps.

Beim Start begrüßt einen ein tiefes Brummen und Grummeln, weniger das typische „Blubbern“, wie man es von einem Ami-V8 kennt.

Bei niedrigen Umdrehungen ändert sich der Bass in feinen Nuancen und geht mit steigender Drehzahl in ein weniger zahmes Fauchen über. Man muss gestehen, dass der 928, besonders der GTS, vom Auspuffsound ab Werk eher dezent ausgelegt ist, um auch längere Fahrten ohne Kopfschmerzen oder Ohrstöpsel entspannt absolvieren zu können.

Dennoch bekommt man immer genug akustische Rückmeldung, um nicht zu vergessen, was unter der Haube arbeitet. Ab 1990 sind die 928er mit einem für die Zeit umfangreichen Bordcomputer und Onboard-Diagnose ausgerüstet, sodass man alle Funktionen noch besser überwachen kann.

Der Motor lässt sich sowohl beim entspannten Cruisen, als auch beim sportlichen Landstraßenräubern oder auf schnellen Autobahnetappen nicht aus der Reserve locken. Knapp über Leerlaufdrehzahl liegen bereits kontinuierlich mehr als 400Nm Drehmoment an, die einen in jeder Situation souverän nach vorne beschleunigen.

Gerade bei niedrigen Drehzahlen fällt die Saugertypisch unmittelbare Gaspedalreaktion gepaart mit dem anliegenden hohen Drehmoment sehr positiv auf.

 

Getriebe

 

Für den GTS gab es ab Werk die kostenlose Wahlmöglichkeit zwischen einer Automatik und einem manuellen 5-Gang Getriebe.

Geschätzte 90% der Kunden wählten die Mercedes 4-Gang Automatik, die auch in unserem Testwagen verbaut ist. Das Getriebe war eine der einzigen Automatiken, die zu der Zeit problemlos mit den hohen Drehmomenten fertig wurde.

So wechselt es mit einem sanften Ruck den Gang und die Spreizung der Gänge passt sehr gut zum Charakter des Motors. Bei normalem Beschleunigen fährt die Automatik im zweiten Gang an, beim beherzten Tritt auf’s Gaspedal wird in den 1. zurückgeschaltet – was bei feuchter Fahrbahn oder niedrigen Temperaturen nicht zu empfehlen ist.

Ab 1994 besitzen die Porsche 928 GTS mit Automatikgetriebe einen „Dynamischen Kickdown“. Bei über 60km/h schaltet das System in Standby und ist bereit, bei schnellen Pedalbewegungen direkt ein oder mehrere Gänge runter zu schalten, ohne dass der Fahrer das Pedal bis zum Kickdown-Schalter durchdrücken muss.

So wechselt das Getriebe lebhafter die Gänge, vergleichbar mit einem „Sport“-Kennfeld eines modernen Automatikgetriebes.

 

Fahrverhalten/Lenkung & Fahrwerk

 

Durch die Transaxle-Bauweise mit dem Motor in der Front und dem Getriebe auf der Hinterachse wurde eine perfekte Gewichtsverteilung realisiert. Die Kraftübertragung erfolgt durch eine Welle (Transaxle-Welle), die im Mitteltunnel von vorne nach hinten durchs Auto läuft und in Motordrehzahl rotiert.

Durch die optimale Gewichtsverteilung fährt sich der 928 extrem gutmütig und wie auf Schienen durch Kurven. Auch abrupte Richtungswechsel werden ohne Probleme weggesteckt.

Das Fahrwerk hat eine ausgewogene Mischung aus sportlich und Komfortabel, wie es sich für einen echten sportlichen GT gehört. Sowohl auf langen, schnellen Autobahnfahrten, als auch auf Landstraßen kommt das Fahrwerk nicht an seine Grenzen und bleibt stets gutmütig und komfortabel. Wankbewegungen in Kurven sind Fehlanzeige, was man von einem Porsche aber auch nicht anders erwartet.

 

Eine Besonderheit des Porsche 928 ist die aufwändige Mehrlenker-Hinterachse. Die sogenannte „Weissach-Achse“, die schon bei den ersten 928ern dafür sorgte, dass die hinteren Räder in schnellen Kurven selbstständig mitlenken, um das Fahrzeug zu stabilisieren. Schon damals war die Weissach-Achse der Vorgänger der heute überall im Sportwagenbereich eingesetzten elektronischen Hinterachslenkungen.

Zusätzlich ist das elektronisch geregelte PSD (Porsche Sperr Differenzial) mit variabler Sperrung von 0 bis 100% ab Modelljahr 90 serienmäßig mit an Bord, um die Fahrstabilität zu erhöhen.

Für jemanden, der gewohnt ist neue Autos zu fahren mit extrem leichtgängigen Lenkungen ist der 928 sicher eine Umstellung.

Die Lenkung vermittelt ein super Feedback und viel Gefühl, wobei Lenkbewegungen mit einem beherzten Griff am Lenkrad durchgeführt werden sollten. So tut man gut daran, bei kurvigen Strecken beide Hände am Lenkrad zu halten, da beim Einlenken schon etwas Kraft nötig ist.

So geht man selbst auch viel bewusster auf Lenkbewegungen mit ein, was für uns einen Teil des Fahrspaßes im 928 ausmacht!

 

Exterieur Porsche 928

 

Breitere hintere Kotflügel (um Platz für die breitere Spur zu schaffen), die aerodynamisch geformten Cup-Außenspiegel, Cup-Felgen und das Heck mit einem nun durchgängigen Leuchtenband setzen den GTS äußerlich von den Vorgängern ab.

Von der Präsenz ist es ein riesiger Unterschied von S4/GT zu GTS. Durch das breite Heck und das Leuchtenband steht der 928 GTS viel satter auf der Straße, die neuen Außenspiegel verleihen dem ganzen Fahrzeug einen moderneren Touch.

 

Interieur

Auch wenn sich im Innenraum nicht viel verändert hat über die Jahre, fühlt sich das Design noch immer besonders und auf keinen Fall wie (in den Grundzügen) 40 Jahre alt an, was durchaus auch auf die Grundform der Karosserie zutrifft.

Gern genannt wird hier der Instrumententräger, der sich gemeinsam mit dem Lenkrad verstellen lässt, um dauerhaft gute Sicht auf die Armaturen zu gewährleisten.

Eine weitere Besonderheit sind zum Beispiel Luftauslässe der Klima in den Türen oder die großen, gut zugänglichen Knöpfe und (Dreh-)Schalter im Auto, die eine Bedienung aller Funktionen intuitiv gestalten.

Der 928 allgemein und speziell unser später GTS wird dem damals extrem hohen Neupreis (ca. 200.000 Mark) durchaus gerecht. Alles, was man an Oberflächen sieht ist komplett mit Leder bezogen – vom Armaturenbrett über die Türtafeln, bis hin zum Dachhimmel. Die Komfortsitze mit optionalem Raffleder sind sehr bequem und bieten dennoch guten Seitenhalt, um den Einsatz in einem Porsche zu rechtfertigen.

Die Lehnen der Rücksitze sind klappbar, um die Ladefläche im Kofferraum um ein Vielfaches zu vergrößern. Die weit öffnende Heckklappe erlaubt (trotz hoher Ladekante) ein gutes Be- und Entladen, somit hat man durchaus einen praktischen Nutzwert.

Für größere Personen sind die hinteren Sitze lediglich für sehr kurze Fahrten (wenn überhaupt) zu gebrauchen, auch wenn man erstaunlicherweise sehr bequem sitzt und für die Mitfahrer hinten sogar an eigene Sonnenblenden gedacht wurde.

Klimaanlage, elektrische Sitzverstellung, Ledersitze und Sitzmemory für den Fahrer waren bereits Teil der damals schon umfangreichen Serienausstattung.

 

Fazit Porsche 928 GTS

Der Porsche 928 GTS ist ein zeitloses Auto, das auch heute noch sehr modern wirkt. Wer auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Fahrzeug ist, das damals an der Spitze der automobilen Elite stand und auch aktuell noch sehr respektable Werte liefert, sollte sich den GTS einmal näher anschauen.

Ein Auto wie den Porsche 928, bei dem die Ingenieure noch hauptverantwortlich waren bei der Entwicklung (was man in vielen Detaillösungen und der technischen Qualität sehen kann) wird es heute nicht mehr geben.

Damals war er lange Technologieträger von Porsche, heute ist er zusätzlich ein seltener Exot.

Nachteil dadurch ist sicherlich, dass die Wartungs- und Unterhaltskosten noch immer auf Oberklasse-Niveau liegen. Wenn man selbst nichts machen kann oder keinen Spezialisten an der Hand hat, kann es schnell (sehr) teuer werden.

Wenn alle Wartungen durchgängig gemacht werden (und wurden), ist der Porsche 928 (GTS) ein äußerst zuverlässiges Fahrzeug. Auch hohe Kilometerlaufleistungen schaden ihm nicht. Gute GTS sind bei nur ca. 2800 gebauten Fahrzeugen weltweit allerdings zusätzlich schwer zu finden, man sollte sich auf eine längere Suche und hohe Einstiegspreise einstellen!

Kommentar hinterlassen zu "Porsche 928 GTS Fahrbericht"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*